Biografien

Vladimir Arsenijević

*1965, einer der bekanntesten Vertreter der progressiven Literaturszene auf dem Balkan.  Berühmt geworden durch seinen 1. Roman »Cloaca Maxima. Eine Seifenoper« (Rowohlt 1996), der den renommierten serbischen NIN-Preis  erhielt und in 20 Sprachen übersetzt wurde. Herausgeber des Projekts »Lexikon der YU-Mythologie«, das die wichtigsten Phänomene der Kultur und Lebens eines nicht mehr existierenden Landes illustriert. Jüngster Roman »Ishmail« (zusammen mit dem Comiczeichner Aleksandar Zograf). Lebt und arbeitet in Belgrad. Mitbegründer und Verleger des ambitionierten Subkulturverlags »Rende«.

Ferenc Kontra

*1958. Ungarischer Schriftsteller aus Kroatien. Sein Roman "Gymnasiasten" (2002), der seine eigene Geschichte als über die Grenze pendelnden Internatsschüler vor dem Hintergrund des Kádár- und Tito-Regimes der siebziger Jahre thematisiert, gehört heute in Ungarn zur Pflichtlektüre an den Mittelschulen. Lebt und arbeitet seit 1987 als Redakteur (Új Symposion, Magyar Szó) und Herausgeber in Novi Sad (Serbien). Breitere Anerkennung fand sein zweiter Lyrikband "Weiße Spiegel" (1986), der mit dem Sinkó-Preis ausgezeichnet wurde. Seine beiden ausgezeichneten Novellensammlungen (Szirmai-Preis, Híd-Preis) führen zu den öffentlichen und privaten Kriegsschauplätzen des jugoslawischen Zusammenbruchs und rücken das wenig beachtete Schicksal der zwischen die Fronten geratenen ungarischen Minderheit in den Blick. Seine Erzählung "Auf Vaters Platz" aus dem ausgezeichneten Prosaband "So zerbrechen sie" diente als Vorlage für das gleichnamige Fernsehspiel. Sein bislang letzter Roman "Wien jenseits der Gleise" (2006), der ein Gastarbeiterschicksal schildert, trug Kontra in Ungarn den Leserpreis der Zeitschrift Elle ein.

Andrej Nikolaidis

*1974 in Sarajevo. Lebt seit Kriegsausbruch in Sarajevo 1992  in Montenegro. Gehört wie Ognjen Spahic zur jungen Schriftstellergeneration Montenegros, deren Texte öffentlich diskutiert werden und politische Debatten provozieren. Seine Kolumnen für Monitor und Slobodna Bosna waren so kontrovers, dass  er Drohungen erhielt. Am bekanntesten wurde seine Auseinandersetzung mit dem Filmregisseur Emir Kusturica, den er als einen der größten Medienstars unter dem Milosevic-Propaganda-Regime geißelte. Nikolaidis hat bisher drei Romane veröffentlicht: "They!" (Plima,2001), "Mimesis" (Durieux, OKF, 2003) und "Son" (Durieux, 2006), sowie einige Kurzgeschichtensammlungen. Die unabhängigen Medien seiner Heimat vergleichen seine Haltung bereits mit Thomas Bernhard.

Nenad Veličković

*1962 in Sarajevo, gehört zu den aktuell bedeutendsten Schriftstellern in Bosnien-Herzegowina. Veličković, der als Herausgeber, Redakteur, Radio- und Drehbuchautor für Radio Sarajeva, TVSA, TV Sarajevo, TV BiH, Radio Beograd arbeitet und die „Bücherwerkstatt” OMNIBUS betreibt, spricht und schreibt eigenen Angaben zufolge weder serbisch noch bosnisch, sondern  “jugoslawisch”. Veličković arbeitet als Assistent am Lehrstuhl für Jugoslawische Literatur an der Philosophischen Fakultät in Sarajevo und ist Mitglied des P.E.N. Zentrums BiH. 1995 – 1998 Dozent am Soros Media Center. Sein Roman „Logiergäste“ erschien bei 2002 Volk & Welt. Sein Nachkriegsroman “Sahib” (2002) entblößt aus der Sicht eines homosexuellen britischen Soldaten, Angehöriger der Friedens- bzw. Besatzungstruppen in Bosnien-Herzegowina,  die Doppelmoral und den Kolonialismus der internationalen Gemeinschaft gegenüber „dem Balkan“.

Marija Karaklajić

*1978 in Kragujevac. Nach dem Studium in Belgrad (Szenisches Schreiben, Theater- und Filmwissenschaft) Arbeit als freie Dramaturgin an verschiedenen Theatern in Serbien und Slowenien und als Theaterautorin. Zwischen 2003 und 2004 Koordinatorin des Projekts für neues szenisches Schreiben am Nationaltheater in Belgrad.  2003 Uraufführung von „Fausse-attaque, mal parer”am Nationaltheater in Subotica. und von „Gesicht aus Glas“ 2008 am Bitef Theater in Belgrad. 2005-2007 studiert Karaklajić als DAAD-Stipendiatin Dramaturgie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt/Main.  Im Jahr 2007 wurde sie mit dem Dramatikerpreis „Borislav Mihajlović Mihiz“ ausgezeichnet.

Edo Popović

Popovic-c_Kortuem*1957 in Bosnien. Lebt seit 1968 in Zagreb. 1987 wird Edo Popovićs erster Roman Ponoćni boogie („Mitternachts Boogie“) über die Zagreber Jugend der 80er-Jahre zum Kultbuch seiner Generation. Mitbegründer von Quorum, einer der wichtigsten alternativen Literaturzeitschriften Jugoslawiens. Seine schonungslosen und ideologieverweigernden Reportagen machen ihn zwischen 1991 und 1995 zum bekanntesten Kriegsberichterstatter Kroatiens, die “Unter dem Regenbogen” (dt. in “Schreibheft” Nr.62, 2004) gilt als eine der besten Erzählungen über den jugoslawischen Krieg. Sein 2003 erschienener Roman Ausfahrt Zagreb Süd (Voland & Quist 2006) porträtiert erneut eine Generation - die Generation der Verlierer des Jugoslawien-Krieges. Zur Leipziger Buchmesse erscheint sein jüngster Roman Kalda in deutscher Erstausgabe bei Voland & Quist.

Daša Drndić

*1946 in Zagreb, Studium in Belgrad, Illinois und Ohio, USA. In ihrer Zeit als  Hörspielredakteurin bei Radio Belgrad (`74 -`92) werden über 30 ihrer u. a. experimentellen und dokumentarischen Hörspiele im In- und Ausland ausgestrahlt. 1992 geht Daša Drndić als Englischlehrerin nach Rijeka in Kroatien. 1993 arbeitet sie ein Jahr für die UNHCR, bevor sie 1995 Kroatien mit ihrer zwölfjährigen Tochter den Rücken kehrt. Aus Protest gegen die Intervention der Kroatischen Armee in Bosnien und Herzegowina geht sie nach Kanada ins Exil, wo sie bis 1997 an der University of Toronto unterrichtet, den Roman „Sterben in Toronto“ schreibt und Features für den Radiosender CBC produziert. 2004 Promotion über den Protofeminismus und die Ideen der politischen und literarischen Linken im amerikanischen Drama. Daša Drndićs jüngster Roman Sonnenschein (Fraktura, Zagreb 2007) wurde als Roman des Jahres mit den Literaturpreisen "Fran Galović" und "Kiklop" ausgezeichnet. Daša Drndić ist Mitglied des Kroatischen PEN-Zentrums, des Kroatischen Schriftstellerverbands (HDP) und Vorsitzende des Vereins Alleinerziehender "Minus 1" und hat zahlreiche namhafte Autoren aus dem Englischen übersetzt. 

Mile Stojić

*1955 in Dragičina, Bosnien-Herzegowina. Lebt als Dichter, Essayist, Kulturredakteur und Herausgeber in Sarajevo. Bis 1992 Mitherausgeber der Literaturmagazine Lica und Odjec und  Herausgeber von Tjednik, des ersten postsozialistischen kroatischen Magazins. Nach seiner Flucht aus Sarajevo arbeitet Stojić zehn Jahre als Lehrbeauftragter für südslawische Literatur an der Universität Wien. 1995 publizierte er in Wien bosnische Kriegsliteratur in deutscher Übersetzung („In Schmerz mit Wut“), 2000 in Klagenfurt den Essayband „Fenster, Worte. Ein bosnisches Alphabet“. Auf Deutsch erschienen: „Fenster, Worte. Ein bosnisches Alphabet“ (Drava Verlag 2000), „Triumph der Phantasie“ (Kitab Verlag 2006).

Ognjen Spahić

*1977, lebt und arbeitet in Podgorica. Ognjen Spahic gehört zusammen mit Andrej Nikolaidis zur jungen Schriftstellergeneration Montenegros, deren Texte öffentlich diskutiert werden. Gründer und bis 1997 Mitarbeiter des Jugendmagazins Juventas, Kulturredakteur der Zeitung Vijesti und der Literaturzeitschriften PlimaPlus und Balcanis.  Spahic veröffentlichte in Montenegro den Kurzgeschichtenband „Sve to“ (Alles das, 2001) und in Kroatien den Roman „Hansenova djeca“ (Hansens Kinder, 2004). Sein neuer Roman erscheint demnächst bei Durieux, Zagreb. Spahic war 2005 Gast des Writers-in-Residence-Programms von KulturKontakt Austria. 

Faruk Sehić

faruk-sehic*1970 in Bihać. Studium in Zagreb und Sarajewo. 1992 bis 1995 in der bosnisch-herzegowinischen Armee. Seine Kurzgeschichtensammlung „Unter Druck“ wurde mit dem Preis des Zoro Verlags ausgezeichnet.  Die Gedichtbände Pjesme u nastajanju (2000), Hit depo (2003), und der hochgelobte Lyrikband Transsarajevo und der Roman Apokalypse aus dem Papierkorb wurden als Sammelband 2006 im Durieux Verlag (Zagreb) veröffentlicht. „Heute veröffentlicht bei uns auch die junge, postjugoslawische Generation aus Kroatien, Bosnien, Montenegro: der phantastische Lyriker Faruk Šehić, die Erzähler Andrej Nikolaidis, Dalibor Šimpraga, Ognjen Spahić, Boris Dežulović, Balša Brković... Sie geben bei uns auch ihre Zeitschrift „Phantom der Freiheit“ heraus.“ (Nenad Popović, Durieux).  Faruk Sehićs Werke sind ins Englische, Französische, Ungarische, Polnische, Makedonische, Slowenische und Italienische übersetzt worden. Sehić lebt in Sarajewo und schreibt Kolumnen und Reportagen für Oslobođenje  und das Magazin Start.

Srđan Valjarević

*1967 in Belgrad. Arbeitete unter anderem als Karosseriebauer, Maschinenschlosser und Kellner und Journalist. Sein 1995 veröffentlichtes Wintertagebuch wurde zum Kultbuch, dessen Verfilmung „Normal People“ durch Oleg Novaković es sogar bis in die Spätprogramme westeuropäischer Fernsehsender schaffte. Valjarević traf damit genau die  Stimmung der jungen Belgrader Szene nach den Bombardements und zur Zeit der politischen Isolation unter Milošević. Zehn Jahre später folgte das Tagebuch eines zweiten Winters (Biljana Jovanić-Preis und in Österreich unter die zehn besten Werke der osteuropäischen Literatur gewählt). Sein jüngster Roman Como (2006; Actes Sud, Frankreich 2008) basiert auf Valjarevićs Erfahrungen als Rockefeller-Stipendiat am Comer See und wurde mit dem Gorki List Creativity Award ausgezeichnet.

Emir Imamović

*1973 in Tuzla, Bosnien-Herzegowina. Journalist u.a. für Gracija, BBC, ORF, RAI, Radio B92 und Dani, Bosnien-Herzegowinas einflussreichstes Nachrichtenmagazin. Als Kriegsreporter war er im Kosovo, in Mazedonien und Afghanistan. Imamovic ist Drehbuchautor u.a. der kroatischen TV-Serie mit den höchsten Einschaltquoten (Kazaliste u kuci). Wie schon sein Romandebüt Hat hier vielleicht jemand kleine Mädchen, Huren oder Kriegsverbrecher gesehen? (AGM 2006) bildet auch sein zweiter Roman Das Geheimnis von Pyramd Valley. Auf der Suche nach Beweisen, dass Bosnien Herzegowina einst von intelligenten Kreaturen bewohnt war. (AGM 2007) die Realität eines Landes ab, dessen Bewohner angeblich fordern, man möge überall Kameras aufstellen, um dem Rest der Welt diese Reality-Show nicht entgehen zu lassen.

Polona Glavan

polona-glavan*1974 in Ljubljana. Erste Kurzgeschichte 1994. Ihre preisgekrönten Kurzgeschichten wurden in zwei Anthologien moderner slowenischer Kurzgeschichten veröffentlicht. Internationale Veröffentlichungen in Literaturmagazinen (Prague Literary Revue, Orient Express, Quorum, Sarajevske sveske) und Anthologien (Key Witnesses, Die Zeit der Kurzen Geschichte, Racconti senza dogana/Vammentes elbeszelesek). Ihr Romandebüt Eine Nacht in Europa (2001) war in der engeren Auswahl für den slowenischen Kresnik Award . Ihre Kurzgeschichtensammlung Guerillas (2004) erhielt den Zlata ptica award. Polona Glavan arbeitet als Übersetzerin für die slowenische Regierung, als Literaturübersetzerin (u.a. Bernard MacLaverty, Andrea Levy; Flannery O’Connor, Hannah Arendt) und als Herausgeberin und (Začetek nečesa velikega, Beletrina 2004).

Roman Simić

*1972 in Zadar, Kroatien. Herausgeber und Chefredakteur von Quorum, der wichtigsten kroatischen literaturzeitschrift. Programmdirektor und Macher des renommierten Festival of the European Short Story in Zagreb. Roman Simic arbeitet als Lektor bei Profil International, einem der größten Verlage Kroatiens. seine Kurzgeschichtensammlung In was wir uns verlieben (Deutsche Ausgabe bei Voland & Quist 2007) erhielt 2005 den Jutarnji-List-Preis für das beste kroatische Prosawerk des Jahres. Vor dem Hintergrund der politischen Ereignisse im zerfallenden Ex-Jugoslawien handeln Simićs Geschichten von Hoffnung und Enttäuschung, Treue und Verrat sowie der Unmöglichkeit, den anderen Menschen vollständig zu verstehen.

Olja Savičević Ivančević

*1974 in Split, Kroatien. Kolumnistin bei der Tageszeitung Slobodna Dalmacija und Herausgeberin einer Anthologie neuer Kurzprosa aus Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Serbien und Montenegro, die 2006 in Belgrad erschien. Olja Savičević Ivančević hat drei Lyrikbände veröffentlicht, die auszugsweise in mehrere europäische Sprachen übersetzt wurden. Ihr Erzählband Nasmijati psa (2006) wurde von der Tageszeitung Vjenac und dem Zagreber Verlag AGM als beste kroatische Nachwuchsprosa ausgezeichnet. Im Frühjahr 2008 erscheint das Buch in deutscher Übersetzung unter dem Titel „Augustschnee“ beim Dresdner Verlag Voland & Quist. 2007 erhielt die Autorin den Ranko Marinković-Preis der Zeitung Večernji list.

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